Es könnte einen Sinn geben...

- Von Christoph Mertens -

Manche Leute bezeichnen die Menschheit als die "Blüte der Schöpfung".


 Was ist eine Blüte?

Eine Blüte ist ein System, das gespeicherte Energie aus der Basispflanze saugt und als Gegenleistung für die Vermehrung der Art sorgt.

Wenn wir die Biosphäre dieser Erde als ein Gesamtlebewesen betrachten, bei dem die Meeresströme und Luftströmungen wie ein Blutkreislauf und die Pflanzen und Tiere wie Zellen wirken, dann könnten wir die Blüte dieses Lebewesens sein.

Wir saugen die gespeicherten Energien wie Kohle und Öl aus den Wurzeln des Systems und schaffen dafür jede Menge Krimskrams (bunte Blütenblätter), unter anderem auch Raketen. Wir sagen zwar, die Interkontinental-Raketen etc. würden gebaut, um irgendwelche Dumpfbacken zu erschrecken, aber man könnte sie auch sinnvoll verwenden. Zumindest die, die durch Modernisierung oder Abrüstungsverträge überflüssig geworden sind. Warum muss man diese Raketen aufwendig zersägen und sich Gedanken über die Entsorgung der Treibstoffe machen, wenn diese Raketen ein bisschen "Robust-Biologie" in den Weltraum tragen könnten? Natürlich, eine Interkontinental-Rakete alleine wäre wohl nicht in der Lage, die Anziehungskraft des Sonnensystems zu überwinden. Aber man könnte doch ein paar davon bündeln und noch eine obendrauf stellen. Das müsste reichen, denn es gibt ja genug davon.

Nun, was wäre diese "Robust-Biologie"? Ganz einfach Mikroorganismen aus allen Klimazonen, vom ewigen Eis bis an den Rand der Vulkane. Als Sporen, getrocknet, eingefroren - irgendwie haltbar. Da gibt es ausgesprochen zähe Exemplare. Wenn so ein "Bio-Cocktail" auf einer noch unbewohnten Welt landen würde, auf der es zumindest zeitweise Wasser in flüssiger Form gibt, dann gäbe es eine Chance, dass sich dort eine Biosphäre entwickeln würde, die nach den Regeln der Evolution die Möglichkeit hätte, irgendwann auch intelligentes Leben hervorzubringen. Wenn das klappen würde, hätten wir uns vermehrt - unser Prinzip "Leben" weitergegeben. Die Chancen für die einzelne Kapsel sind natürlich gering. Daher müssten es möglichst viele sein.

Möglicherweise könnte so eine Kapsel auch auf einem schon belebten Planeten landen. Dann würden beide Systeme wahrscheinlich in Konkurrenz treten, wobei unser System aufgrund der geringen Menge im Prinzip schwere Startverhältnisse hätte.

Jetzt werden mir wahrscheinlich einige Leute vorwerfen, ich würde Gott spielen wollen. Aber ich will nur, dass sich die Welt wie ein Gesamtlebewesen verhält. Und ein Gott hätte auf dem langen Weg wirklich noch alle Möglichkeiten einzugreifen.


 OK - aber was hätten wir davon?

Befriedigung.

Vermehrung macht Spaß und Raketen werden konstruiert, um fliegen zu können. Und wir könnten unseren Kindern sagen, dass die Menschheit einmal etwas Sinnvolles getan hätte.

Und vielleicht wird uns ein wenig bewusster, dass diese Welt ein einziges, wunderbares, großes Lebewesen ist.

© 1996-2017 Gerd Schiefer