Worauf achten beim Teleskopkauf?


Der Winter eignet sich aufgrund der klaren Luft besonders gut zur nächtlichen Himmelsbeobachtung. Bei vielen Astronomie-Interessierten wächst jetzt der Wunsch, sich ein Teleskop zu kaufen oder sich vielleicht auch eines zu Weihnachten schenken zu lassen.

Aber welches Teleskop eignet sich für den Amateur?

Die Profis wissen, worauf es ankommt und woher sie ein für sie optimales Gerät bekommen. Doch nicht jeder hat in seinem Bekanntenkreis jemanden, der sich damit auskennt. Und so wird oft gutgläubig ein Teleskop gekauft, welches als besonders günstig, besonders robust oder als ein Fernrohr mit hoher Vergößerung angeboten wurde.

Nach dem Kauf können die geweckten Erwartungen nicht erfüllt werden und die Enttäuschung ist groß. Die Folge ist, dass das gerade neuerwachte Hobby sehr schnell wieder einschläft, weil man der Meinung ist: "Dort oben kann man ja sowieso nichts erkennen!"

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag ein wenig Aufklärungsarbeit leisten kann.


 Bevor ein Teleskop gekauft wird, sollte man sich einige Gedanken über den Einsatz des Gerätes machen:

Mögliche Einsatzgebiete können sein:

  • die Beobachtung von Mondkratern und Planeten
  • die Beobachtung von Gasnebeln und weit entfernten Galaxien
  • die Beobachtung großer Himmelsauschnitte (Milchstraße, Kometen)
  • die Beobachtung der Sonne
  • eine mobile Himmelsbeobachtung von verschiedenen Standorten aus
  • die Astrofotografie

Es gibt leider kein Teleskop, welches allen Anforderungen gleichermaßen gerecht wird, daher müssen ein oder mehrere Schwerpunkte gesetzt werden.

Wer nur den Mond oder größere Himmelsausschnitte (z.B. Kometen oder Nebel) beobachten möchte, dem kann ich einen Feldstecher empfehlen, da das Gesichtsfeld hier größer ist. Brauchbare FerngläserFerngläser bei
Stiftung Warentest
im Vergleich
gibt es ab 90,- Euro aufwärts. Die Vergrößerung liegt hier bei 10- bis 15-fach.

Durch ein Teleskop lässt sich dagegen immer nur ein kleiner Himmelsausschnitt betrachten.

Die wichtigsten Teleskoparten sind das Linsenteleskop (Refraktor) und das Spiegelteleskop (Reflektor), wobei es vom letzteren verschiedene Typen gibt.


 Das Linsenteleskop (Refraktor):

Linsenfernrohre sind am bekanntesten. Sie sind sehr einfach aufgebaut, jedoch haben sie einige gravierende Nachteile. Da wäre zum Beispiel der leichte Farbfehler, der sich auch bei Refraktoren höherer Qualität nicht verhindern lässt. Dadurch wird das zu beobachtende Objekt nie in seinen wirklichen Farben gezeigt. Außerdem kann es zu störenden Lichtreflexen kommen, wenn die Linsen nicht entspiegelt sind. Entspiegelte Linsen sind allerdings wesentlich teurer. Dazu kommt die größere Bauweise gegenüber einem Spiegelteleskop. Für einen mobilen Einsatz sind Refraktoren daher nicht so geeignet. Bei kleinen Linsenteleskopen sind 30-fache Vergrößerungen möglich, womit sich schon der Jupiter mit seinen Monden oder der Saturnring betrachten lässt. Mit Hilfe eines Sonnenfilters kann man sogar Sonnenflecken sehen.

In letzter Zeit habe ich in verschiedenen Kaffeegeschäften Linsenteleskope für teilweise schon unter 50,- Euro gesehen. Ich kann nur dringend davon abraten, ein solches Gerät zu kaufen. Die Qualität eines solchen "Schnäppchenkaufs" ist nicht sonderlich hoch, mehr als ein paar Mondkrater lassen sich damit nicht beobachten. Für die Planetenbeobachtung ist so ein Billig-Teleskop nicht zu gebrauchen. Außerdem besteht die Montierung in den meisten Fällen nur aus einem wackeligen Dreibeinstativ mit einer aufgesetzten Gabel, an der das Teleskop befestigt ist. Das hat den ganz großen Nachteil, dass das Teleskop dem Beobachtungsobjekt nicht vernünftig nachgeführt werden kann. Die Erde dreht sich während der Beobachtung weiter. Da ist es schon nervend genug, wenn man alle paar Sekunden von Hand nachführen muss, weil das Beobachtungsobjekt aus dem Bildfeld verschwindet. Kann man dann aber noch nicht einmal parallaktisch nachführen, d.h. auf der scheinbaren Himmelsbahn, dann verliert man sehr schnell die Lust an der Himmelsbeobachtung. Es lohnt sich wirklich nicht, sich ein solches Billigteleskop aus dem Supermarkt zu kaufen oder es an jemanden zu verschenken.

Empfehlenswert für Anfänger sind 60mm-Refraktoren, die es schon für unter 100,- Euro gibt. Bessere Linsenteleskope übersteigen schnell die zumutbare Preisgrenze, die für einen Anfänger in Frage kommt, daher möchte ich nun zu den Spiegelteleskopen kommen.


 Das Spiegelteleskop (Reflektor):

Reflektoren sind aufgrund ihrer Bauweise etwas kompakter, was nicht heißen muss, dass sie auch leichter sind. Bei Spiegelteleskopen entfallen die Probleme mit den Lichtreflexen, dafür kann ein Spiegel aber auch nur rund 90% des eingefangenen Lichtes zurückwerfen. Bei höherer Vergrößerung erscheint ein Objekt dann etwas dunkler. Der gebräuchlichste Reflektortyp ist der Newton-Spiegel. Er hat den Vorteil, dass man seitlich in das Teleskop hineinsehen kann, was bei einem Linsenteleskop nicht immer möglich ist. Dort muss man in das hintere Ende des Rohres schauen, was sehr problematisch werden kann, wenn ein Beobachtungsobjekt direkt über dem Betrachter steht - Abhilfe würde nur ein teures Zenitprisma schaffen.

Gute Spiegelteleskope gibt es bereits ab 300,- Euro in einigen Versandhäusern. Meist handelt sich dabei um Qualitätsprodukte, die von den Versandhäusern nur mit einem anderen Aufdruck versehen und dann wesentlich günstiger verkauft werden. Ich habe mein eigenes Spiegelteleskop (ein Newton-Reflektor mit 114mm Durchmesser, 1000mm Brennweite, mehreren Filtern und Okularen, einem quarzgesteuerten Nachführungsmotor und einem Fotoadapter) im Jahr 1991 für rund 1200,- DM aus dem Katalog eines bekannten Nürnberger Versandhandels bestellt. Ich benutze dieses Teleskop nicht nur zur Beobachtung, sondern auch zur Fotografie der Mondoberfläche, der Planeten und der weit entfernten Gasnebel und Galaxien. Auch die Sonnenflecken habe ich damit schon fotografiert. Die Vergrößerung liegt bei meinem Gerät zwischen 50- und 150-fach. Bis heute habe ich diesen Kauf noch nicht bereut. Der größte Vorteil besteht darin, dass dieses Teleskop leicht zu montieren und transportieren ist. Schließlich hat man die besten Beobachtungsbedingungen nicht gerade mitten in der Stadt.

Bei allen Teleskopen sollte darauf geachtet werden, dass ein stabiles Stativ und eine anständige Montierung vorhanden sind. Ein einfaches Holzstativ ist nicht stabil genug, da macht sich insbesondere bei höheren Vergrößerungen jede Berührung des Teleskopes durch ein Wackeln des Bildes bemerkbar.

Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, kann natürlich auch höhere Ansprüche stellen. Ab 400,- Euro bekommt man bereits die günstigsten Teleskope mit computergesteuerter Nachführung. Damit ist es möglich, sich jeden Stern oder Planeten am Himmel vom Teleskop selbst suchen zu lassen. Ein fester Standort ist dann natürlich Voraussetzung. Ideal wäre ein Rohrstativ, das fest im Boden verankert ist. Und wer so viel Geld erübrigen kann, der sollte sich auch gleich eine kleine Sternwarte drumherum bauen, damit das System vor Wind und Wetter geschützt ist.

Aber damit verlasse ich mein eigentliches Anliegen, die Amateurastronomen beraten zu wollen. Für Anfänger sind solche Projekte nicht gleich zu empfehlen. Wer genügend Erfahrungen mit kleineren Geräten gesammelt hat, der wird später wissen, was beim Kauf eines größeren Teleskopes zu beachten ist. Wer weiß, vielleicht wird dann sogar einmal der Entschluss gefasst, ein größeres Teleskop selbst zu bauen. Ich kenne einige Hobby-Astronomen, die dies getan haben. Nun aber zurück zur Beratung der Neulinge auf diesem Gebiet.


 Bei der Auswahl eines Teleskopes gilt:
  • Zur Beobachtung lichtschwacher Objekte ist ein großer Objektivdurchmesser wichtig, weil damit viel Licht gesammelt wird. Außerdem bringt das eine bessere Auflösung.
  • Die Brennweite ist für den Astrofotografen interessant, da sich ein Objekt in einem Teleskop mit gleichem Durchmesser aber geringerer Brennweite etwas heller zeigt. So lässt sich die Belichtungszeit verringern.
  • Eine sehr hohe Vergrößerung ist eigentlich nutzlos, da ein Objekt bei höherer Vergrößerung immer dunkler erscheint. Außerdem wird auch die Unruhe der Luft mitvergrößert. Bei 150-facher Vergößerung ist eine Grenze erreicht, über die hinaus eine Beobachtung nicht mehr möglich ist. Es ist also Unsinn, wenn ein Teleskop mit "200facher Vergrößerung" oder höher angeboten wird, diesen Wert wird man niemals erreichen oder ausnutzen können. Die technisch mögliche Maximalvergrößerung entspricht ungefähr dem Objektivdurchmesser in Millimetern.

 Zubehör:

Neben dem Stativ und der Montierung gibt es für Teleskope noch eine Menge an zusätzlichem Zubehör, das nicht unbedingt immer beim Kauf dabei ist.

Dazu gehören unter anderem:

  • Filter zur Sonnen- und Vollmondbeobachtung
  • Nachführungsmotoren
  • Fotoadapter

Diese Teile lassen sich jederzeit nachträglich über den Fachhandel (Fotogeschäft, Optiker etc.) beziehen.


 Unter Umständen drohen gesundheitliche Schäden!

Auf jeden Fall sollte man sich vorher gut beraten lassen, da es besonders bei den Sonnenfiltern schnell zu einem Fehlkauf kommen kann, der unter Umständen nicht nur viel Geld, sondern im ungünstigsten Fall sogar die Gesundheit kosten kann. Damit meine ich Sonnenfilter, die in den Strahlengang des Teleskopes geschraubt werden. Diese Filter erhitzen sich sehr schnell und können unerwartet platzen. Schaut man dann gerade durch das Teleskop, ist das Auge sofort zerstört.

Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass ich diese Zusammenstellung nach eigenen Erfahrungen und Berichten anderer Hobby-Astronomen aus meinem Bekanntenkreis geschrieben habe. Es kann durchaus sein, dass andere Astronomen andere Empfehlungen geben würden. Im Zweifelsfall ist es nicht verkehrt, einen weiteren Fachmann zu Rate zu ziehen. Ansprechpartner findet man in beinahe jeder größeren Stadt in einer Sternwarte oder einem Planetarium.

© 1996-2017 Gerd Schiefer